Warum ausgerechnet „Schlampentage“?

Das werden wir immer wieder mal gefragt. „Euer Seminar klingt wirklich spannend und interessant, doch das Wort „Schlampentage“ schreckt mich ab.“ So oder so ähnlich sind vereinzelte Rückmeldungen. Und darum will ich hier berichten, wie es zu dieser Seminaridee kam.

Wer hier schon etwas länger mitliest, hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich in diesem Jahr zusammen mit drei Kolleginnen ein Seminar für Frauen mit dem Namen „Schlampentage – Facetten des Weiblichseins“ organisiere. Normalerweise geht es in den Coachings mit meinen Klientinnen und Klienten um berufliche Neuorientierung, Selbststeuerungsfähigkeiten, neue Rollen, Konflikte oder Kommunikation. Und doch passt dieses Seminar sehr gut zu meiner Arbeit, denn immer geht es auch um die eigene Identität als Frau oder Mann mit all den Erwartungen, die daran geknüpft sind, seien es die eigenen oder die von außen. Und darum, die eigene Kraft und Energie ins Leben zu bringen.

Und so kam es dazu…

Nach einem Seminar saßen drei von uns noch mit einem Kollegen zusammen, der berichtete, dass er sich zu einer einjährigen Fortbildung für Männer angemeldet hatte, nämlich einer Heldenreise. Die Inhalte klangen ziemlich spannend und alle am Tisch hatten Lust, auch so etwas zu machen. Als wir auf der Homepage des Anbieters schauten, gab es als Pendant für Frauen die Tempeltage. Tja. Das Weibliche, das Heilige, das Empfangende…

Das war so gar nicht, was wir uns vorgestellt hatten, und da wir mittlerweile schon auf Cocktails umgestiegen waren, kamen so als Arbeitstitel die „schlonzigschönen Schlampentage“ ins Spiel. Und so war die Seminaridee geboren.

Im Leben von Frauen haben alle Facetten ihren Platz

Uns geht es darum, dass im Leben von uns Frauen alles seinen Platz hat: Das Heilige, Nährende, Empfangende genauso wie das Wilde, die Amazone, die Schlampige, die Schlampe. Wir sind ja nicht das eine oder das andere. Wir haben alle Facetten in uns und je nach Umgebung und Lust und Laune, wird mal die eine oder andere Seite beleuchtet. Oder wir spüren, dass da Facetten in uns sind, die wir gern mal ausprobieren möchten, einfach so. Und je nachdem, dürfen sie dann öfter mal ins Licht oder aber es bleibt beim Ausprobieren. Alles kann einfach mal sein.

Und wir wollten ganz bewusst mit dem Begriff „Schlampe“ spielen. Er hat ja nicht nur diese sexuelle Konnotation. In meiner Erinnerung wurden auch Frauen als Schlampe bezeichnet, die nicht dem gängigen Ideal von Hausfrau und Mutter entsprachen: die nicht früh am Morgen aufstanden sondern ausschliefen, die abends weggingen, nicht den ordentlichsten Haushalt hatten, aber dafür jede Menge Spaß und Selbstbestimmung, weil sie sich eben eine Kehricht darum scherten, was die anderen über sie redeten. Und darum geht es eben auch an den Tagen. Was heißt für mich „Schlampe“ und wieviel davon hab ich in mir?