Warum Sie öfter mal Ja sagen sollten – zu sich selbst!

Ja zu Dir SelbstWenn du ja sagst,
dann sei dir sicher,
dass du nicht nein
zu dir selbst sagst.
(Paul Coelho)

Dieses Zitat begegnete mir kürzlich auf Facebook und hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

In Coachings erlebe ich desöfteren, dass KlientInnen mit ihrem Herzensthema nicht richtig vorwärtskommen, sei es der Weg in die Selbständigkeit oder zu mehr Zeit für sich. Schauen wir dann gemeinsam hin, was sie alles stemmen: Job, Partner, Kinder, Ehrenamt ist es kein Wunder. Sie sagen „Ja“ zu vielen anderen – und leider bedeutet dies oft „Nein“ zu sich selbst. Spreche ich dies an, kommt oft ein „Ja, aber…“

Ein paar Beispiele:

Für das Wochenende war ein gemütlicher Tag zu Hause geplant, doch die Familie Ihres Partners hat sich spontan angekündigt. Sie freuen sich zwar alle wiederzusehen, doch Sie hätten mal einen Tag Auszeit oder Zeit zu zweit gehabt. Sie lassen sich umstimmen und merken, wie Sie im Lauf des Wochenendes immer grantiger und ungenießbarer werden.

Sie haben sich den Abend freigehalten, um an Ihrem Projekt weiterzuarbeiten. Der Partner hat zugesagt, die Kinder zu betreuen. Dann kommt der Anruf, er müsse noch einen Bericht fertigmachen, ob Sie ausnahmsweise die Kinder ins Bett bringen würden…

Der Chef bittet Sie, ein neues Projekt zu übernehmen. Es hätte große Bedeutung für die Firma und wäre auch gut für Ihre Karriere. Sie würden das mit Links schaffen. Zwar sind Sie im Moment sehr ausgelastet, doch Sie lassen sich überreden.

Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor?

Warum sagen wir so oft Nein zu uns selbst?


Was sind nun Gründe, dass wir mehr „Ja“ sagen als „Nein“? Nun, natürlich ist ein „Ja“ leichter gesagt, als ein „Nein“, doch es gibt noch andere Gründe.

1. Wir wissen nicht genau, was wir brauchen

Das kommt häufiger vor als wir denken. Achten Sie in den nächsten Tagen mal darauf, ob Sie genau wissen, was Sie gerade brauchen. Welches Bedürfnis in Ihnen gerade stärker ist? Das nach Ruhe oder Aktivität, nach Selbstverwirklichung oder Verbundenheit? Oder Sie möchten sowohl das eine als auch das andere, wie die Freundin mal seit langem wieder treffen und einen gemütlichen Abend nach einem anstrengenden Tag. Gar nicht so leicht, dann wählen wir das vermeintlich  Einfachere.

2. Mangelnde Achtsamkeit für uns und unsere Bedürfnisse

Meist sendet unser Körper eindeutige Zeichen, wenn wir gegen unsere Bedürfnisse handeln, ein Grummeln im Bauch, eine Stimme, die sich meldet. Doch wir sind so im Tun-Modus, dass wir sie selten wahrnehmen und wenn, dann meist gleich wegschieben. Geht dies über einen längeren Zeitraum, kann dies krankmachen, seien es Kopfschmerzen, Rücken- oder Magenleiden oder bei zu starker Belastung Burn-out.

 

3. „Du musst! Das darfst Du nicht!“

Erlauben Sie sich Ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erfüllen? Gerade Frauen, aber auch Männer, wurden so erzogen, die Bedürfnisse der anderen über die eigenen zu stellen. Es erfordert Mut zu sagen: „Ich brauche aber…“ Gerade, wenn dann noch der nächste Punkt dazu kommt:

 

4. Ich möchte geliebt werden!?

Anerkennung, Wertschätzung, Zugehörigkeit sind die stärksten Bedürfnisse von uns Menschen. Ohne Nähe und Zuwendung würden Babys nicht überleben. Und Kinder spüren sehr schnell die unausgesprochenen Erwartungen der Eltern und der Umwelt. Als Erwachsene geht es uns da nicht anders. Sagen wir „Nein“, haben wir Angst, von den anderen nicht mehr gemocht oder gar aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

 

Wie können Sie mehr auf Ihre Bedürfnisse achten?

Um es vorweg zu nehmen, es ist ein Prozess. Neues Verhalten muss eingeübt werden und Sie werden sich ein bisschen aus der Komfort- in die Risikozone begeben müssen und das erfordert manchmal Mut. Doch nur so ist auf Dauer Wachstum möglich.

Folgende Tipps können Sie dabei unterstützen:

1. Achtsamkeit

Achtsamkeit heißt nichts Anderes, als wahrzunehmen, was ist. Damit ist gemeint, dass Sie immer mal wieder kurz innehalten, um zu spüren: Welche Impulse, Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen habe ich im Moment. Sie müssen hier gar nichts tun, einfach nur beobachten. Offen, neugierig, ohne zu urteilen. Und wenn Gedanken kommen – und sie kommen ganz bestimmt – einfach nur beobachten und sie wie Wolken weiterziehen lassen: „Ah, der Nacken ist verspannt.“,  „Ich fühle mich gestresst.“ oder „Noch kurz Butter einkaufen.“

Ich gebe zu, das ist am Anfang gar nicht so einfach, wird mit zunehmender Übung jedoch immer leichter. Am besten, Sie machen das mehrmals über den Tag verteilt.

 

2. Selbstklärung – Was ist mir wichtig?

Wir haben stets mehrere Stimmen in uns, die sich meist auch gar nicht so einig sind. Beim oben genannten Beispiel könnten es z.B. der Familienmensch sein „Schön, wenn wir wieder alle zusammenkommen.“ Oder die Partnerin „Ich möchte Zeit zu zweit haben, zum Kuscheln oder Reden.“ Oder als Drittes die Ruhebedürftige „Ich will endlich mal wieder ein ruhiges Wochenende auf dem Sofa verbringen.“ Sie alle haben wichtige Bedürfnisse, die erstmal nur wahrgenommen werden wollen. Dann gilt es zu verhandeln. Sie als Oberhaupt Ihres Inneren Teams könnten dann zu folgendem Kompromiss – einem von vielen möglichen – kommen. Die Familie kommt, denn die Gelegenheit ist eher selten, doch Sie können sich einen Nachmittag ausklinken und Ihr Partner sorgt für den Einkauf.

 

3. Verschaffen Sie sich Zeit

Auch wenn so ein Inneres Team nur bei größeren Themen tagt, macht es doch Sinn, sich einen kleinen Spielraum zu eröffnen. Denn wie oft antworten wir auf Fragen und Bitten der Anderen automatisch mit „Ja“ und ärgern uns hinterher.  Schaffen Sie sich kleine Denkpausen, in denen Sie erstmal für sich klären können, was Ihre Bedürfnisse und Wünsche sind.

Ein Standardsatz könnte sein: „Darüber möchte ich erst nachdenken.“ Oder „Ich brauche Zeit, mir klar zu werden, was ich möchte. Kann ich dir bis … antworten?“ Diese Bitte wird Ihnen in der Regel niemand abschlagen.

 

4. Aufrichtig und wertschätzend kommunizieren

Kommunizieren Sie ehrlich und offen, was Sie brauchen. Trauen Sie sich um etwas zu bitten. So wäre eine Möglichkeit zu Ihrem Partner zu sagen: „Mir bedeutet Familie ebenso viel wie dir, doch ich brauche auch Zeit für mich allein. Wärst Du damit einverstanden, dass…?“

Wichtig dabei ist, dass Sie aufrichtig Ihre Bedürfnisse kommunizieren, und ebenso wertschätzend hören, was Ihr Gegenüber dazu sagt. So ist echte Begegnung möglich.
Und wie immer: Sie werden nicht auf Anhieb perfekt sein und immer mal wieder zu Dingen ja sagen, die Ihren Bedürfnissen zuwiderlaufen. Gehen sie humorvoll und liebevoll mit sich um. Das Wichtigste ist ja schon, dass Sie erkennen, dass Sie wieder in alte Muster zurückgefallen sind. Sie werden merken: wenn Sie ein achtsames Auge darauf haben, dass Sie sich immer schneller auf die Schliche kommen. Um es mit Samuel Beckett zu sagen: „Try. Fail. Try again. Fail better!“

In diesem Sinne: Haben Sie Freude an sich selbst. Sie sind die beste Version Ihrer selbst!

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